Ein Häuptling wird geadelt
Die Geschichte des Papalagi und seines Designers in Bildern
Der Bericht in der SF TV Sendung "Kulturplatz" vom 9.12.2009
Die Velobranche surft derzeit auf der Retrowelle und lanciert „Kultvelos“
noch und noch – doch einer kann da ruhig aussen vorstehen: Den
wahren Klassiker hat Butch Gaudy geschaffen. Er hat das unverwüstliche Reiserad Papalagi bereits vor 25 Jahren kreiert. Ein Vierteljahrhundert – das ist in unserer schnelllebigen Zeit mit jährlichen Modellwechseln eine halbe Ewigkeit. Wer in der Konsumgüterwelt Jahrzehnte lang beharrlich einem Produkt, Konzept und Material treu bleibt, darf als Visionär gelten. Für Butch Gaudy war beim Papalagi immer Stahl die Wahl. Allen Modetrends zum Trotz: Aluminium konnte für ein Reiserad nie in Frage kommen, schon gar nicht Karbon. Ein Stahlrahmen ist komfortabel zu fahren und notfalls auf der ganzen Welt zu reparieren. Steel is real. In der langen Entwicklung des Papalagi wurden Premiumstähle von drei der renommiertesten Rohrfabriakanten verwendet.
Das Papalagi 953 bedient eine Kundschaft, die vielleicht auf das Auto verzichten mag, nicht aber auf ein Statussymbol, in dem zwei Jahrzehnte gestalterische und handwerkliche Erfahrung stecken. Die genau die puristische Ausstrahlung dieses ungefederten Modells sucht und schätzt. Die Zeit und die Mode bestätigen die Gültigkeit des Konzepts. Das Papalagi ist an Schlichtheit und Funktionalität kaum zu übertreffen. In der Velobranche gilt das Rad, das nach der literarischen Figur eines Südseehäuptling benannt ist, längst als Häuptling der Reiseräder.
Bemerkenswert, dass nun dieser Klassiker in ganz neuen Kreisen Anerkennung findet, dass erstmals ein Velo für einen Designpreis nominiert wurde, der ursprünglich von Architektur geprägt war. Die Jury des Hasen musste sich erst klar werden, ob man überhaupt ein Produkt auszeichnen kann, das von der Konzeption her über zwei Jahrzehnte alt ist. „Jawohl, kann man“, befand sie einstimmig. Zum einen ist die Bedingung eines aktuellen Produkts dank dem neuen Rohrsatz formal erfüllt. Ausgezeichnet wurde das Papalagi 953 aber auch für eine Haltung, die für Qualität im Design wesentlich ist: die Hartnäckigkeit, die Arbeit am Detail, die Überzeugung, dass elbst perfekte Entwürfe stets noch verbesserungswürdig sind. Mit dieser Einstellung wirkt der Designer weit über die Szene der Biker hinaus.
Mit dem Goldenen Hasen werden gleichermassen das Know-how und die Leidenschaft von Butch Gaudy geehrt, als auch die funktionale und formale Nachhaltigkeit des Papalagi-(Ent)Wurfs. Für den Häuptling und seinen Erschaffer kommt dies einem Ritterschlag gleich.

