Eine wasserdichte Geschichte
Die Ortlieb-Story von Chrstop Schleidt
ORTLIEB ist als Synonym für die wasserdichte Fahrradpacktasche nicht mehr wegzudenken. Die legendären «Back-Roller» haben zu diesem Ruf einen entscheidenden Beitrag geleistet. Hunderttausende von ihnen sind rund um den Globus unterwegs. Die Fahrradkuriere, die in jeder Großstadt gemeinsam mit ihrem markanten Kuriersack zum Straßenbild gehören, sind der radelnde Beweis dafür, dass Belastbarkeit bei ORTLIEB ein voll bepacktes Versprechen ist.
Wie alles begann . . .
Südengland im Frühjahr 1981. Dauerregen fällt auf das saftige Grün. Nichts Neues in dieser Gegend. Mittendrin steht ein junger Radler mit Wuschel- kopf und voll bepacktem Fahrrad. Er wirkt genervt. Es tropft aus seinen Kleidern, Taschen, Locken und der Nase. Reisefreudig hatte der junge Abenteurer diesem Trip entgegengefiebert. Jetzt und hier kann er sich nichts nervigeres vorstellen, als die nächste Nacht wieder im durchnäss- ten Schlafsack und mit feuchten Klamotten durchzustehen.
Der junge Mann sieht einen Lkw vorbeifahren. Der südenglische Dauerregen prasselt auf seine Plane nieder. Seine Ladung bleibt trocken und sau- ber.
Eines liegt nahe: Dieses Ereignis fand statt, bevor die wasserdichte ORTLIEB- Packtasche erfunden wurde. Auch ist zu erahnen, dass die Situation in direktem Zusammenhang mit der ORTLIEB-Packtasche steht!
Und tatsächlich: Der Wuschelkopf heißt Hartmut Ortlieb und fängt gerade an, seinen Frust in kreative Findigkeit zu verwandeln. Er denkt sich etwas aus, was den nächsten mühsam ersparten Trip retten wird!
Gleich nach seiner Heimkehr bastelt er an Mutters Nähmaschine einen Packbehälter aus roter Lkw-Plane. Mit einem Stück Gurtband aus der Sattlerei fixiert er den Deckel. Er bringt Haken aus dem Baumarkt an, um den eigenwilligen Packsack am Gepäckträger zu befestigen. Und weil Radfahren Geist und Körper in Bewegung hält, produziert der rege Teenie von nun an täglich neue Ideen und überlegt wie er seine Erfindung verbessern und verfeinern kann. So werden – frei nach dem Packeselprinzip – irgendwann aus einer Tasche zwei.
In dieser Zeit besteht die Outdoor- Branche noch aus ein paar Freaks. Neuste Produktideen werden noch auf kopierten Handzetteln verteilt. Der eine oder andere macht schon die ei gene Spinnerei zum Beruf. Der junge Hartmut steckt gerade im Abitur und radelt mit seinen genähten Hinterradtaschen durch die Stadt. Ab und zu zieht es ihn auch voll bepackt zum Klettern in die Fränkische Schweiz.
Immer mehr Freunde und Bekannte zeigen Interesse an den auffallend andersartigen Taschen, die zwar nicht mit ihrem Design glänzen, umso mehr aber mit ihrem Funktionswert. Immer häufiger wird Hartmut «angehauen»: «Hey, mach mir mal ein paar davon, die kann ich in meinem Laden verkaufen!». So ergibt sich die erste Vertriebsstrategie und die erste Taschenserie. Die Nähmaschine zieht in eine Hinterhofgarage um.
Was daraus wurde . . .
Der Hinterradtaschen-Konstruktion folgt eine Lenkertasche. Die Nachfrage überfordert schon bald den Einmannbetrieb. Verstärkung muss her. Familienmitglieder und Freunde werden eingespannt. 1982 wird die Firma Ortlieb gegründet.
Die erste Produktbroschüre präsentiert das noch kleine Sortiment: genähte Hinterrad-, Vorderrad- und Lenkertaschen. Die erste Messe steht schon bald auf dem «Marketingplan». Mit einem Tapetentisch ausgestattet, stellt ORTLIEB in einer dunklen Nische unter einer Rolltreppe seine Unikate aus. Mundpropaganda heißt die greifende Werbestrategie in der noch überschaubaren Outdoor-Branche. Der Effekt ist überwältigend.
Die ungute Erinnerung an den feuch- ten Schlafsack lässt den umtriebigen Erfinder aber immer noch nicht ruhig schlafen. Genähte Verbindungen sind doch immer irgendwie undicht. Erste Schweißversuche werden unternommen, um das Problem anzupacken. «Hochfrequenz» lautet das Zauberwort. Denn im Gegensatz zu hitzeverschweißten Nähten gewähren die materialschonenden Hochfrequenzstrahlen eine höhere Belastbarkeit. Die Versuche auf einer ausrangierten Maschine, auf der zuvor Brillenetuis gefertigt wurden, gehen in Serienreife über. Von nun an sind ORTLIEB-Taschen 100% WASSERDICHT! Ohne Imprägnierung und Nahtdichter. Der erste Meilen- stein ist gesetzt.
Doch der Nächste folgt zugleich: der Rollverschluss. Zunächst überzeugt er als einfaches aber effektives Prinzip für einen Packsack. Nichts ist simpler als drei bis vier Wicklungen am offenen Ende des Sacks mit einer Steckschnalle zu fixieren. Das Ergebnis ist nicht nur wasser- sondern sogar schwimmdicht.
Die Baumarkthaken an den Radtaschen werden, bei aller Stabilität, den gestiegenen Ansprüchen von Hersteller und Kundenkreis nicht mehr gerecht. Und so tüftelt der findige Autodidakt das erste selbstarretierende Befestigungssystem «Quick-Lock1» aus. Inzwischen ist die Firma auf eine 20-köpfige Belegschaft angewachsen. Dazu gehört Mutter Ortlieb, die den Empfang und das Sekretariat managt.
Nicht nur die Fachhändler im deutschen Binnenmarkt setzen heute auf die Aktualität und gewinnende Dynamik der Marke ORTLIEB. Mit 21 Vertriebspartnern in 19 Ländern weltweit hat sich das mittelständische Unternehmen global etabliert und ist Marktführer in seinem Qualitätssegment. Und das sogar «umweltfreundlich»: Greenpeace lässt vom Packtaschen- Spezialist seine Radtaschenlinie fertigen. Die strengen Vorschriften wurden erfolgreich in der Serienproduktion umgesetzt.
Unabhängige Meinungsbildner und die internationale Fachpresse haben die Entwicklung der Marke ORTLIEB von Anfang an mit Begeisterung unter- stützt. Jeden Monat wird im Schnitt ein ORTLIEB-Produkt mit einem «Kauftipp» oder einer «Empfehlung» ausgezeichnet. Das spornt die mittlerweilen 100 MitarbeiterInnen natürlich permanent dazu an, sich tatkräftig für die gleichbleibend hohe Qualität und die Innova- tionskraft von ORTLIEB zu engagieren.
ORTLIEB heute . . .
Die «Lkw-Plane» der ersten Jahre wurde durch spezielle, nach ORTLIEB-Vorgaben gefertigte Rollen abgelöst. Diese werden flankiert von neuen Technologien: eigens entwickelte Folien für die selbstaufblasenden Liegematten, Polycarbonat für die Hartschalenlinie und seit neuestem auch Silikon und Neopren. Nach wie vor werden alle Produkte im Hochfrequenz-Schweißverfahren am Firmenstandort in Heilsbronn produziert. «Made in Germany» ist Ehrensache. Das schlägt sich auch in stetig wachsender Beschäftigungszahl nieder, wofür Hartmut Ortlieb 2005 den «Jobstar» von Institutionen der Region Nürnberg verliehen bekam.
ORTLIEB ist seit nunmehr 25 Jahren Impulsgeber auf dem Fahrrad- und Outdoor-Markt und setzt nach wie vor Standards im Bereich der hochfunktionellen Ausrüstung. Das Ziel ist dabei immer das gleiche geblieben: Menschen, die ihre Freizeit aktiv in der Natur verbringen, sollen sich unabhängig fühlen von allem, was sie nicht beeinflussen können – sprich: vom Wetter.
Gerne beraten wir Sie in einem unserer Läden in Zürich oder Bern zu den diversen ORTLIEB Produkten.

