Und wie schnell ist dein Elektrovelo? Ein Trend setzt sich fort..
«Dieser Tage vor einer roten Ampel im Badischen: laut und ziemlich unflätig erregt sich ein Verkehrsteilnehmer aus dem offenen Autofenster. Eben hat er erlebt, dass es ihm nicht gelang, mit seinem Rüsselsheimer Kleinwagen ein Velo zu überholen. Beschleunigungsvermögen und die zur Verfügung stehende Wegstrecke bis zur Ampel haben nicht einmal dafür ausgereicht, auf gleiche Höhe mit dem Elektrovelo zu gelangen, um es seitlich abzudrängen. Nun hat der Velofahrer sich «Nettigkeiten» anzuhören, die ihm wohl signalisieren sollen, er sei ein Verkehrsrowdy.
Dabei hat er sich am rechten Fahrbahnrand mit minimalem Sicherheitsabstand zum ruhenden Verkehr peinlich genau an die innerörtliche Höchstgeschwindigkeit gehalten: «Vmax 48,3 km/h zeigt das Display vor ihm. Der Schreihals im Auto ist einfach noch nie einem schnellen Flyer begegnet. Aber dazu wird nicht nur dieser Kraftfahrer noch reichlich Gelegenheit erhalten.»
Bis heute verstehen die meisten Schweizer unter einem «E-Bike» einen «Flyer». Das ist der Name des Schweizerischen E-Bike-Pioniers und eigentlichen Erfinders der neuen Fahrzeugkategorie. Ein Fahrrad also mit Hilfsmotor.
Nach wie vor ist die Reichweite der limitierende Faktor. Mit dem Elektroantrieb ist es ja paradox. Die Elektromotoren schlagen zwar die Ottomotoren in Sachen Effizienz um Längen. Hingegen beim Energiespeicher ist es genau umgekehrt: Bei vergleichbarem Gewicht speichern die besten Lithium-Polymer- Batterien etwa dreissigmal weniger Energie als Benzin. Deshalb wird das Gesamtgewicht bei Elektrofahrzeugen noch eine ganze Weile eine ganz grosse Rolle spielen und die oben von Hans-Heinrich Pardey in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 12. Februar 2009 beschriebenen Situation wird sich wohl noch oft und lange wiederholen.
Dieses Jahr rollt das Elektrorad aus der «50-Plus»-Nische. Aber weder die Krise des grossen Ganzen noch die Benzinpreise, oder der angedachte Krankenkassen-Bonus für e-radelnde Berufspendler, noch die Verheissung, auf Stromvelos schweisslos schneller ins Büro zu kommen und erst recht nicht die Milchmädchenrechnung der CO2-Bilanzbuchhalter schaffen diesen Umschwung: den schafft ganz allein das Lächeln nach der praktischen Erfahrung. Die Glückseligkeit nach der Probefahrt.
Das Erlebnis auf dem E-Bike ermutigt. Das Hochgefühl stellt sich nicht nur bei den «Best-Ager» ein, nein, auch Stifte, Studis und Promis kehren freudestrahlend von der Testfahrt zurück. Schnelle Elektrovelos wie zum Beispiel das Dolphin aus Basel erleichtern schlicht und einfach das Leben aller Mobilitätsbedürftigen und in nachhaltiger Weise eigentlich allen.
Hingegen kann sich niemand wirklich wünschen, dass unbedarfte Pajasse sich auf Speed-Bikes wie zum Beispiel das e-Tool von MTB Cycletech setzen und normale Radwege unsicher machen. Auf die schnellen E-Bikes gehören sportliche Radler, die vernünftig genug sind, einen Helm aufzusetzen, auch wenn sie nicht müssten, und sich mit Fahrgeschwindigkeiten ab 35 km/h von den Radwegen fernhalten.
Das passende E-Bike zu finden, ist nicht leicht, angesichts der täglich zunehmenden Vielfalt. Spezialisten, die von Anfang an dabei waren, wie das Berner Fachgeschäft VISIONEN in Bern oder CITY CYCLES in Zürich halten Testräder verschiedener Hersteller parat.
Grundsätzlich macht viel Probieren klüger und glücklicher als Testberichte lesen. Die eigene Preisvorstellung sollte man gleich nach oben korrigieren. Ein Motor-Fahrrad kostet mehr als ein Velo. Elektrovelos vom Discounter sind vorsichtshalber zu meiden, dazu ist die Technik zu neu und zu unerfahren. Entwicklung und Qualität sind preistreibend, ausserdem steht die Reichweite in direkter Korrelation zum Kaufpreis. Den Unterschied muss man erfahren, das macht Spass und bringt Lust. Schmunzeln und Lächeln beim Kaufen, das erinnert an früher: vor dem Kiosk stehen und die vielen Sugus auf Augenhöhe haben.

